Buch: Für Marellchen
Ich habe vorgestern ein Buch gelesen, das ich hier (unbezahlt) vorstellen möchte, denn mich hat sein Inhalt sehr berührt und ich habe schon lange keine Geschichte mehr gelesen, die derart feinfühlig und liebevoll von der Verbindung eines Mädchens zu seinem Großvater erzählt. Man kann diese besondere Beziehung, die die beiden haben, förmlich spüren und es ist ein Genuss, an dieser Zweisamkeit ein Stück weit beim Lesen teilhaben zu dürfen.
Zum Inhalt:
Marie – von ihrem Opa liebevoll Marellchen genannt – verbringt eine Woche bei ihrem schrulligen, aber liebenswerten Opa. Seine Nachbarn behaupten von ihm, dass er nicht mehr ganz dicht sei, aber Marellchen stellt selbst fest: Er ist nicht nur ganz dicht, er ist sogar DICHTER! Ihr Opa liest ihr aus seinem Notizbuch – das er erstmal verlegt und dann endlich an den unmöglichsten Orten wiedergefunden hat -lustige Gedichte vor. Sie handeln zum Beispiel von einem verliebten Wattwurm oder dem Traumgespinst, in dem der sportliche Weihnachtsmann Platz findet. Eine liebevolle, fröhlich illustrierte Opa-Enkelin-Geschichte. Mit 10 Gedichten voller Humor und Sprachwitz, die sich so gelungen in die Erzählungen einfügen, dass man das Buch bis zum Ende einfach nicht weglegen kann.
Das Buch hat mich von Anfang an gefesselt, weil man von der Geschichte einfach verzaubert wird. Es wird einem förmlich warm ums Herz, denn immer wieder hat man das Gefühl, die eine oder andere Situation zu kennen – sei es aus der eigenen Kindheit, wo man vielleicht auch Zeit bei den Großeltern verbracht hat, oder als Eltern, weil man miterleben konnte, wie die eigenen Kinder eine besondere Beziehung zu den Großeltern hatten oder womöglich selbst als Großeltern, die die Zeit mit den eigenen Enkelkindern als unbezahlbar genießen. Sehr gut herausgearbeitet finde ich auch die Situation zwischen den Generationen, wo die „Alten“ oft als schrullig und „nicht ganz dicht“ belächelt und nicht ernst genommen werden. Marellchen kennt diese Sicht nicht – sie liebt ihren Opa uneingeschränkt und nimmt ihn einfach so, wie er eben ist. Dadurch ist sie auch offen für eine ganz besondere Beziehung, in der sie sich auch selbst entfalten kann.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch die Rezension, die ich für Jan Kaisers Monster-ABC geschrieben habe, denn mir war es wichtig, auch ein wenig über den weiteren Hintergrund des Autors und seiner Bücher zu erfahren. Dabei stieß ich auf das Buch „Für Marellchen“ und bei der Inhaltsangabe musste ich an eines meiner Enkelkinder – Sophia – denken, die ebenso zu ihrem Opa eine besondere Beziehung hegt und pflegt. Interessanterweise ist das Buch auch einer „Sophia“ gewidmet und mir kam der Gedanke, dass für beide Sophias der Opa wohl so etwas wie ein wohlgehüteter Schatz sein muss – und tatsächlich wurde mir dabei Folgendes bewusst: „sOPhiA„.
Ich bedanke mich auf diesem Weg beim Autor Jan Kaiser ganz herzlich, dass er mir mit dieser Geschichte, die aus seiner zarten und feinfühligen Feder stammt, ein unbezahlbares Lesevergnügen verschafft hat. Ich freue mich darauf, das Buch zu Weihnachten mit unserer Sophia zu lesen oder auch zuzuhören, wenn es Opa Fritz vorlesen wird (der dicke Fritze, der auch zufällig in einem Gedicht vorkommt). Ein einzigartiges Buch, das ich jedem ans Herz lege, der sich mit seinen Kindern in einer außergewöhnlichen Liebeserklärung, untermalt mit pointierten Gedichten, verlieren möchte.