Kindern etwas zutrauen
In den vergangenen Jahren wurde ich oft von Eltern gefragt, was und wie viel man Kindern zutrauen soll oder ob es nicht besser wäre, ihnen eine „schöne Kindheit“ zu schenken, indem man alles, was auch nur den Anschein hat, beschwerlich zu sein, von ihnen fernhält. Dieses Thema wird kontrovers diskutiert und doch werden in den letzten Jahren immer mehr Stimmen von Fachleuten laut, den Kindern doch mehr zuzutrauen, um so ihre Entwicklung zu fördern und nachhaltig zu stärken.
Manche Eltern nehmen dem Nachwuchs allzu viel ab und degradieren sich selbst zum Kinder-Dienstpersonal. Bezeichnungen wie „Helikopter-Eltern“oder „Rasenmäher-Eltern“ sind hier treffend gewählt, denn die einen kreisen schützend über ihrem Kind und setzen zum Sturzflug an, wenn sich eine vermeintliche Gefahr – auch noch meilenweit entfernt – nähert und die anderen entfernen akribisch sämtliche Hindernisse und Probleme aus dem Lebensweg, bevor das Kind überhaupt irgendwie damit in Berührung kommen kann. Besondere Auswüchse sind meiner Meinung nach die Elternsprechstunde an Universitäten – ich hätte mich zu Tode geschämt, wenn meine Eltern mit mir als Erwachsene mit auf die Universität gekommen wären, um hier mitzureden.
Mittlerweile warnen viele Experten – vor allem Psychiater – dass diese Kinder zu Erwachsenen werden, die sich dann selbst auch nichts zutrauen. Bei den ersten Schwierigkeiten fallen sie in ein Loch oder sind mit dem Leben überfordert, wenn sie dann doch einmal aus dem Hotel Mama ausziehen. Nur wer die Möglichkeit von Klein auf bekommt, sich selbstwirksam wahrzunehmen, wird in schwierigen Situationen jene Resilienz haben, um aus Krisen gestärkt herauszukommen.
Ich bin auf ein entzückendes Video gestoßen, das rund einen Monat online ist: Ein Dreijähriger darf sich einer Herausforderung stellen, die nicht alltäglich ist, ihm aber zugetraut wird. Sie zeigt eindrücklich, wie tüchtig ein Kind sein kann, wenn man es tüchtig sein lässt. Ich möchte nicht falsch verstanden sein und dies als „normierte Aufgabe“ für Dreijährige hinstellen. Aber es soll zum Nachdenken anregen, inwieweit der persönliche „Helikopter“ oder „Rasenmäher“ für die Entwicklung des eigenen Kindes kontraproduktiv ist und man beide besser im Schuppen lassen sollte.
Aber jetzt: Genießen Sie diese 15 Minuten einen taffen Dreijährigen zu erleben in diesem Video