Finde deine Rolle

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atlas 1969922 1920

Drei Arbeiter sind mit am Bau einer Kathedrale beschäftigt. Jeder von ihnen wurde gebeten, seine Arbeit genauer zu beschreiben.
Der erste Arbeiter erklärte gelangweilt, dass er damit beschäftigt sei, Steinblöcke zu behauen und in Form zu bringen. Genervt fügte er an: „Wenn ich nicht für meinen Lebensunterhalt und damit für meine Familie sorgen müsste, würde ich augenblicklich damit aufhören!“

Die Arbeit des zweiten Mannes war ausgefüllt mit dem Zurechtsägen und Hobeln des Holzes, das für das Erbauen der Kathedrale benötigt wurde. Auch er sprach sehr abwertend von dieser Tätigkeit und all seine Klagen deuteten darauf hin, dass er seiner Arbeit nur ungern nachging und er überhaupt nicht mit dem Herzen dabei war.

Der dritte und letzte Arbeiter hatte keine Ausbildung und war dafür verantwortlich, die Steine und Balken, die die anderen beiden Arbeiter vorbereitet hatten, an den für sie vorgesehenen Platz zu schleppen. Während er diese schweren Lasten trug, sang oder pfiff er ein Lied. Obwohl seine Arbeit wohl jene zu sein schien, die am wenigsten erfüllend und sehr eintönig war, führte er sie mit Begeisterung und vollem Einsatz aus. Und dabei ließ selbst die größte Schwere der Last seine Melodien nicht verstummen.

Niemand von seinen Kollegen konnte das verstehen, denn seine Arbeit war in ihren Augen minder und nur von Mühe geprägt. So fragte ihn eines Tages ein erst kürzlich neu eingestellter Arbeiter, der neugierig wissen wollte, worin denn seine Tätigkeit bestehe, warum er dabei stets bei so guter Laune sei.
„Welche Art Arbeit verrichtest du?“ fragte er. „Was ist deine Tätigkeit?“

Die Antwort des fröhlichen Arbeiters war schlicht und einfach, zeigte aber trotzdem die Bedeutung seiner mühevollen Arbeit: „Was ich mache? Dasselbe wie du: Ich baue eine Kathedrale!“
Und genauso war es: Er baute eine Kathedrale. War seine Rolle als Hilfsarbeiter in diesem umfassenden Bauprojekt auch sehr gering und unbedeutend, so war er trotzdem ein wichtiger Bestandteil. Ohne ihn oder seinesgleichen, der genau diese Arbeit verrichtet, konnte der Bau nicht vonstattengehen. Und weil er von seiner Arbeit überzeugt war und sie daher gewissenhaft und voller Elan ausführte, verlieh er seinem bescheidenen Tun einen großen Wert.

Erst wenn ein Mensch zumindest teilweise seine Rolle begreift, die er ausführen soll, ist er dazu in der Lage, ihr ein wertvolles und hoffnungsvolles Aussehen zu verleihen.

Nacherzählt aus James Keller: „Du kannst die Welt verwandeln“