Vogel des Monats: Ringeltaube

5 1 1 1 1 1 Ø Bewertung 5.00 (Bis jetzt nur eine Bewertung... mach mit!)


Ringeltaube 01 Titel

Ein mittelgrosser grauer Vogel fliegt in zügigem Tempo vorbei, er verschwindet im dichten Blätterwald eines Baumes, gut zu hören ist das laute Flügelklatschen. Vielleicht ein kleinerer Greifvogel? Mitnichten – es ist eine Ringeltaube, die grösste und häufigste Taubenart in Europa.

Ringeltaube 02 Brust blass weinrot

Bei näherer Betrachtung ist die Ringeltaube nicht einfach grau. Ihre Brust ist blass weinrot bis altrosa überhaucht. Ein grosser weisser Fleck ziert ihren Hals. Bei optimalem Lichteinfall erkennt man am Hals die grün schillernden Federpartien. Farbe verleihen der Ringeltaube die gelbe Iris und der lachsfarbene Schnabel.

Ringeltaube 03 weisse Querbaender

Im Flug zeigt der Vogel ein typisches Merkmal: zwei weisse Querbänder auf den ausgestreckten Flügeln. Diese unterscheiden die Ringeltaube deutlich von andern Taubenarten wie der Türken-, Turtel- oder Hohltaube.

Ringeltauben sind bei der Nahrungssuche oft zu Fuss unterwegs, typisch ist ihr leicht einwärts gedrehter Gang am Boden. Die Engländer bezeichnen jemanden, der „über den grossen Zeh läuft“, als „pigeon-toed“ (pigeon = Taube, toe = Zeh).

Ringeltaube 04 Proportionen

Die Proportionen der Ringeltaube scheinen nicht dem Ideal eines „attraktiven“ Vogels zu entsprechen. Ihr Körper ist massig, der Kopf im Vergleich dazu zu klein. Trotzdem – ein interessanter Vogel, dessen Name übrigens nicht auf den weissen, nicht geschlossenen Halsring zurückzuführen ist, sondern wahrscheinlich auf die weissen Querbänder (Ringel) auf den Flügeln. Im Flug wirken Ringeltauben trotz des massigen Körpers nicht schwerfällig, mit bis zu 80 cm Flügelspannweite sind ihre Flügelschläge regelmässig und kräftig.

Die Ringeltaube trägt ihren Namen wegen ihrer weissen Ringeln, die auf den ausgestreckten Flügeln gut zu sehen sind.

Ringeltaube 05 Flug

Die Ringeltaube, früher auch Waldtaube genannt, ist zwar ein häufiger Brutvogel in Wäldern, nutzt aber seit vielen Jahren menschliche Siedlungen und ist heutzutage oft in Parks, Gärten mit Baumbestand, Friedhöfen, Dörfern und sogar in Grünanlagen von Städten anzutreffen. Trotzdem ist die Ringeltaube gegenüber dem Menschen scheu geblieben.In der Schweiz hat sich die „Urbanisierung“ langsamer entwickelt als in andern Ländern. Man könnte sagen, dass die Ringeltaube bei uns diesbezüglich ein Spätzünder ist.

Ringeltauben besiedeln nicht nur Europa, ihre Verbreitung reicht von Nordwestafrika bis Südwestsibirien und südlich über Kleinasien bis Irak und Kaschmir.
Die in Nordosteuropa und der Schweiz beheimateten Ringeltauben sind Teilzieher. Den Winter verbringen sie in West- und Südwesteuropa.

Da bei uns die Winter in den letzten beiden Jahrzehnten immer milder wurden, gibt es aber eine Zunahme von Vögeln, die hier überwintern, das heisst sie verzichten auf einen Wegzug. Durch die anhaltende Klimaerwärmung könnte sich dieses Phänomen in Tieflagen und den durchschnittlich wärmeren Städten verstärken.

Ringeltaube 09 Reserve

Ringeltauben ernähren sich hauptsächlich vegetarisch. Auf dem Speisezettel stehen Sämereien (beispielsweise Getreidesamen), Kräuter, Blätter, Knospen, Beeren, im Winter vor allem Eicheln und Bucheckern. In Städten fressen sie auch Nahrungsabfälle und Brot. Manchmal fressen sie zusätzlich Insekten, Regenwürmer oder kleine Muscheln und Schnecken (diese sind eine wichtige Kalziumquelle für die Aufzucht).

Ringeltaube 06 Balz

Die Hauptbrutzeit liegt zwischen April und September. Das Ringeltauben-Männchen vollführt einen besonderen Balzflug. Es fliegt von einer hohen Warte – zum Beispiel einer Baumspitze – mit klatschenden Flügel-schlägen steil nach oben und gleitet danach mit ausgestreckten Flügeln und gespreiztem Schwanz abwärts. Das bekannte Flügelklatschen beim Auffliegen entsteht nicht durch Zusammenschlagen der Flügel, sondern wird verursacht durch Luftbewegungen der kräftigen Schläge.

Unverkennbar ist der dumpfe Ruf mit den vier- oder fünfsilbigen Motiven „du-duuuh – du-duuh du“.

Ringeltauben brüten auf Bäumen und in hohen Sträuchern, je nach Gebiet aber auch in Dünen oder Strandwiesen. In besiedeltem Gebiet kann es auch in einer Kletterpflanze, zum Beispiel zur Hausbegrünung, sein. Das Nest besteht aus einer einfachen Plattform aus dürren Zweigen und ist meist locker zusammengeschustert. Aus diesem Grund kommt es oft zum Absturz von Nestlingen. Ringeltauben legen zwei weisse, matt glänzende Eier, die von beiden Partnern bebrütet werden. In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen erhalten die Küken Kropfmilch. Die Ernährung mit Milch gibt es also nicht nur bei den Säugetieren, sondern auch bei Kaiserpinguinen, Flamingos und eben Tauben. Die milchige Substanz wird im Kropf der Tauben gebildet, dabei schwillt die Schleimhaut im Kropf an und sondert ein Sekret ab, das an die Jungen verfüttert wird. Es ist Kraftnahrung pur, die Fett, Eiweiss, Vitamine und Mineralien enthält. Später werden Pflanzenteile beigemischt und nach etwa 30 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest.

Jungen Ringeltauben fehlt bis zur Herbstmauser der weisse Halsfleck.

Ringeltaube 07 Jungvogel

Der Bestand der Ringeltauben ist nicht gefährdet. Sie erleiden jedoch grosse Verluste durch Bejagung. Da Ringeltauben sich auf dem Zug mit andern Taubenarten wie zum Beispiel mit der seltenen Hohltaube vergesellschaften, sind natürlich auch diese von den Abschüssen betroffen. Meistens wird mit Schrot auf Schwärme geschossen. Die getroffenen Vögel erliegen irgendwann ihren Verletzungen oder werden von ihren natürlichen Feinden wie dem Habicht gefressen. Eine mögliche Folge: Der Greifvogel erleidet durch das Schrot der angeschossenen Taube eine Bleivergiftung.

Ringeltaube 08 Schwarm

Ein besonderer Augenschmaus für Beobachter sind ziehende Ringeltaubenschwärme im Herbst. Die Vögel ziehen gerne an klaren Tagen mit leichtem Rückenwind. Ein Schwarm von tausend oder noch mehr Ringeltauben am Himmel lässt jedes (Ornithologen-) Herz höher schlagen.

 

Ringeltaube TDie ausführliche Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: Ringeltaube oder in der Lehrmittel Boutique, wo das Heft auch für Nichtmitglieder kostenlos zur Verfügung steht.

Ich danke Edith und Beni Herzog herzlich für die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos sowie die Audio-Aufnahmen. Auf ihrer Webseite benifotos.ch sind die Bilder grösser und noch prächtiger zu sehen.

Zielgruppe: 3. - 6. Klasse
Bezug Lehrplan 21: NMG 2.1 NMG 2.3 NMG 2.4 NMG.2.6