Der Sinn des Lebens

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Ein Professor schloss seine Vorlesung mit dem üblichen Satz: „Gibt es noch Fragen?“

Ein Student fragte ihn: „Herr Professor, was ist der Sinn des Lebens?“

Einige der Anwesenden, die den Saal verlassen wollten, lachten. Der Professor schaute den Studenten mit forschendem Blick lange an, um zu ergründen, ob die Frage ernst gemeint war. Sie war.

„Ich gebe ihnen die Antwort“, sagte er. Aus seiner Gesässtasche zog er sein Portemonnaie und entnahm ihm einen kleinen Spiegel, nicht grösser als eine Münze. Dann sagte er: „Ich erlebte den Krieg als Kind. Eines Tag sah ich auf der Strasse ein zerbrochenes Spiegelchen. Ich hob die grösste Scherbe auf. Hier ist es. Ich begann, damit zu spielen und war entzückt von der Möglichkeit, das reflektierte Licht in die dunkelsten Ecken zu leiten, wo die Sonne nie hinschien: in tiefe Gruben, Spalten, Abstellkammern. Ich bewahrte den kleinen Spiegel auf.

Als ich erwachsen wurde, erkannte ich, dass das nicht einfach das Spiel eines kleinen Jungen war, sondern eine Metapher für das, was ich im Leben hätte tun können. Ich selber bin auch die Scherbe eines Spiegels, den ich in seiner Ganzheit nicht kenne. Mit dem, was ich habe, kann ich jedoch das Licht, die Wahrheit, das Verständnis, das Wissen, die Güte, die Zartheit in die dunkelsten Winkel der menschlichen Herzen aussenden und in jemandem drin etwas verändern. Vielleicht sehen das andere Menschen und tun dasselbe. Darin sehe ich den Sinn des Lebens.“

Quelle: Bruno Ferrero, Qumran2
Bild: Pixabay, othebo, Public Domain CC0