Vogel des Monats: der Trauerschnäpper

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Trauerschnaepper Titelbild

Der Trauerschnäpper ist kein Kind der Traurigkeit. Den Namen verdankt der Vogel seinen Gefiederfarben, die ausschliesslich schwarz bzw. braun und weiss sind. Im Prachtkleid zeigt das Männchen eine dunkelgraubraune bis schwarze Oberseite; Unterseite, Stirn und Flügelfeld sind weiss. Den weissen Stirnfleck findet man nur bei den Männchen, dem unscheinbaren Weibchen fehlt er. Dieses ist oberseits braun, Unterseite und Flügelfeld sind weiss. Im Licht- und Schattenspiel der Blätter ist der Trauerschnäpper gut getarnt.

Trauerschnaepper Prachtkleid

Trauerschnaepper Weibchen

Als Langstreckenzieher kehrt der Trauerschnäpper erst Ende April/Anfang Mai aus seinem Winterquartier im tropischen Afrika zurück. Das Männchen macht sich sofort auf die Suche nach einem Nistplatz und lockt die Weibchen mit seinem Gesang. Während der Balzzeit singen die Trauerschnäpper-Männchen unermüdlich.

Trauerscaepper Maennchen singt Balz

Der Gesang des Trauerschnäppers ist leicht schleppend, „tsii-tsii-wui-djü-djü“. Als Eselsbrücke merke man sich: „zieh zieh weit zieh zieh“. Die Häufigkeit wirkt dabei auf die Trauerschnäpperweibchen stärker anziehend als allfällige Veränderungen des Gesangs. Möglicherweise erkennen sie, dass häufiger singende Männchen ein Revier mit guten Nahrungsbedingungen besetzt halten.

Bevorzugter Lebensraum sind Laubwälder und Obstgärten. In Auenwäldern fühlt sich der Trauerschnäpper besonders wohl, ausschlaggebend ist aber das Angebot an natürlichen oder künstlichen Höhlen. Er nimmt sehr gerne Nistkästen an.

Trauerschnaepper Auenwald

Als Spätankömmling hat er den Nachteil, dass Bruthöhlen meist schon von daheim gebliebenen Vögeln, wie z.B. Kohl- und Blaumeisen, besetzt sind. Dann geht er alles andere als zimperlich vor und baut sein Nest aus Gras, Halmen, Zweiglein und Würzelchen auf ein bereits bestehendes Nest, auch wenn sich Eier oder sogar Jungvögel darin befinden. Bei der herbstlichen Nistkastenreinigung wird man oft Zeuge dieser „Doppelbesetzung“.
Es gibt aber auch den andern Fall: der Trauerschnäpper übernimmt das Nest anderer Höhlenbrüter, meist während deren Abwesenheit zur Zeit der Eiablage. Häufig werden die Eier der Vorbesitzer mit ausgebrütet und gemischte Gelege aufgezogen.

Trauerschnäppermännchen sind oft mit mehreren Weibchen verpaart, helfen aber meist nur bei der Aufzucht einer Brut mit. Damit möglichst die eigene Brut davon profitiert, lagern die Weibchen in den Eiern körpereigene Abwehrstoffe gegen Krankheiten ein, die gesündere Jungvögel ergeben. Je mehr Abwehrstoffe die Eier enthalten, umso blauer erscheinen sie. Das Männchen kann also erkennen, bei welchem Gelege sich die Mithilfe am meisten lohnt.

Die 5 - 8 hellblauen Eier werden während 12 - 17 Tagen vom Weibchen warm gehalten bis zum Schlupf. Nach weiteren zwei bis zweieinhalb Wochen sind die Jungen flügge und machen sich mit der Umgebung vertraut.

Der Trauerschnäpper gehört wie seine Verwandten, der ähnlich aussehende Halsband- und Grauschnäpper, zu den Fliegenschnäppern und ernährt sich vorwiegend von Fluginsekten wie Schmetterlingen, Zweiflüglern, Springschrecken und Käfern. Von einer Ansitzwarte aus fängt er in einem kurzen, artistischen Flug seine Beute oder liest im Rüttelflug Insekten von Zweigen und Blättern ab. Hartteile von Insekten speit er als Gewölle aus.

Der Halsbandschnäpper sieht dem Trauerschnäpper sehr ähnlich und unterscheidet sich von diesem durch sein weisses Halsband.

Halsbandschnaepper

Grauschnaepper

 

Auch der Grauschnäpper ist mit dem Trauerschnäpper verwandt. Seine Färbung und Stimme sind unscheinbar, weshalb er im Garten oft nicht bemerkt wird. Er brütet gerne in Nischen an Gebäuden.

 

 

 

 

 

Da der Trauerschnäpper wegen der späten Ankunft bei uns unter gewissem Zeitdruck steht, ergriff man in einem Wald in Baden-Württemberg spezielle Massnahmen, um das Problem der Höhlenkonkurrenz zu umgehen.

Ein kleiner Teil der aufgehängten Nistkästen wird für den Trauerschnäpper „reserviert“. Anfang März vor dem Brutbeginn der Meisen werden die Vorderseiten der Nistkästen abgenommen, sodass sie für Meisen als Brutplätze ungeeignet sind. Kurz vor Ankunft der Trauerschnäpper werden die Kästen wieder komplettiert und bezugsfertig gemacht. Die meisten Meisen sitzen zu diesem Zeitpunkt bereits auf ihren Eiern, sodass diese Nistkästen den ankommenden Trauerschnäppern fast exklusiv zur Verfügung stehen. Auf diese Weise konnte der Bestand dieses Vogels leicht angehoben werden.

Trauerschnaepper T

Die ausführliche Dokumentation zum heutigen Vogel des Monats für den Unterricht finden Sie hier: der Trauerschnäpper oder in der Lehrmittel Boutique, wo das Heft auch für Nichtmitglieder kostenlos zur Verfügung steht.

Die interessanten Informationen und die wunderbaren Fotos sind von Beni und Edith Herzog. Herzlichen Dank.