Der Esel und der Ochse

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Franziskus Wollishofen Ochs und Esel

Während Maria und Josef auf dem Weg nach Bethlehem waren, versammelte ein Engel alle Tiere, um die auszuwählen, die am besten geeignet waren, der Heiligen Familie im Stall zu helfen.

Als Erster - natürlich! - stellte sich der Löwe vor. „Nur ein König ist würdig, dem König der Welt zu dienen“, brüllte er. „Ich platziere mich am Eingang und zerfleische alle, die versuchen, sich dem Kind zu nähern.“ - „Du bist zu gewalttätig“, sagte der Engel.

Gleich danach näherte sich der Fuchs. Mit listigem und unschuldigem Gesicht beteuerte er: „Ich bin für diese Aufgabe wie geschaffen. Für den Sohn Gottes werde ich jeden Morgen den besten Honig und die nahrhafteste Milch stehlen. Ich werde Josef und Maria jeden Tag ein leckeres Hühnchen bringen!“ - „Du bist zu unehrlich“, sagte der Engel.

Triumphierend und schillernd erschien der Pfau. Er schlug sein wunderbares, irisierendes Rad: „Ich verwandle diesen armseligen Stall in einen Palast, der schöner ist, als der gesamte Königshof.“ - „Du bist zu eitel“, sagte der Engel.

Ein Tier ums andere kam herbei; es waren viele und jedes verherrlichte seine Begabung. Vergeblich. Dem Engel gelang es nicht, auch nur ein einziges passendes Tier zu finden. Da sah er ganz in der Nähe des Stalles den Esel und den Ochsen, die mit gesenktem Kopf auf dem Feld des Bauern weiterarbeiteten.

Der Engel rief ihnen zu: „Und ihr, habt ihr nichts anzubieten?“ - „Nichts“, antwortete der Esel und liess traurig seine langen Ohren hängen. „Wir haben nichts gelernt ausser Ergebenheit und Geduld. Alles weitere hätte nur noch mehr Stockschläge zur Folge.“

Doch der Ochse sagte schüchtern und ohne die Augen zu heben: „Aber wir könnten von Zeit zu Zeit die Fliegen mit unseren Schwänzen verscheuchen.“

Der Engel lächelte: „Ihr seid die Richtigen!“

Quelle: Qumran2, Bruno Ferrero
Bild: Wikimedia Commons, Max Rüedi, Lizenz