Classroom-Management - Rituale IV

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4. und letzter Teil des Gastbeitrages von Christoph Eichhorn.

Weiteres Vorgehen nach dem Einführen und Üben der Rituale.

592396 web R B by Dieter Schütz pixelio.de


Unauffällig intervenieren

Angenommen, der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz hat gut geklappt, aber Julian hat noch nicht mit seiner Arbeit angefangen. Was dann? Klar könnte die Lehrperson dann durch die Klasse rufen; "Julian - wann willst du endlich anfangen?" Aus Sicht von Classroom-Management ist das eine ungünstige Intervention. Warum?

  • Sie stellt Julian vor der Klasse bloss.
  • Sie verstärkt selbst die Störung.
  • Sie lenkt die Schüler ab.

Stattdessen

  • nimmt sie Blickkontakt mit dem Schüler auf,
  • begibt sich unauffällig in dessen Nähe
  • und sagt dann leise zu ihm: "Julian, bitte bearbeite die Aufgabe auf Seite 8." - sie weist ihn also nur kurz und direkt an, was er tun soll,
  • dann wartet sie ab, ob er dem auch nachkommt, d.h. sie bleibt in seiner Nähe stehen und behält ihn weiterhin im Blick - damit hält sie die Störung klein und signalisiert Julian, dass sie die Dinge nicht an die grosse Glocke hängen möchte,
  • gleichzeitig beobachtet sie jetzt das Geschehen im Klassenzimmer, um allfällige Störungen frühzeitig zu registrieren, bevor sie sich ausweiten
  • und wenn Julian die erste Aufgabe gelöst hat, beugt sie sich kurz zu ihm herunter und sagt in wertschätzendem Ton: "Prima, Julian - jetzt hast du die Aufgabe schon gelöst. Mach weiter so."

"Oppositionelle" Schüler zu Verbündeten machen
Angenommen, Sie möchten ein Ritual mit Ihrer Klasse einüben, Sie haben aber einige Schüler, die zu "oppositionellem" Verhalten neigen. Sie rechnen damit, dass diese Schüler beim Üben des Rituals ausscheren, statt mit Ihnen zu kooperieren. Wie könnten sie vorgehen?

Am Tag bevor Frau Graf ihrer Klasse das Ritual erklärt, führt sie mit Carlo, einem "oppositionellen" Schüler, ein Vorabgespräch. Sie erklärt ihm, wie das Ritual aussieht und spricht mit ihm über dessen Vorteile, wie z.B. dass sich alle wohler fühlen, wenn alle ruhig ins Klassenzimmer kommen. Dann sagt sie zu ihm: "Morgen darfst du den Anderen das Ritual vormachen, nachdem ich es an die Tafel geschrieben habe. Was meinst du?" Am Schluss verabschiedet sie sich mit: "Carlo, danke für deine Unterstützung - echt cool."

Rituale langfristig festigen
An dieserm Punkt unterläuft vielen Lehrpersonen ungewollt ein Fehler. Sie lassen es mehr oder weniger beim Üben bewenden. Damit bringen sie sich aber um die Früchte ihrer bisherigen Bemühungen. Wir müssen nämlich zwischen dem ersten Schritt und dem langfristigen Dranbleiben unterscheiden. Anders gesagt: Selbst wenn ein Ritual einige Male perfekt geklappt hat, muss sich die Lehrperson auch langfristig darum kümmern. Dazu hat sie zwei Möglichkeiten:

  • Sie achtet selbst darauf, dass ihre Schülerinnen und Schüler das Ritual exakt einhalten und weist sie selbst konsequent auf Verstösse hin; eventuell übt sie es mit ihren Schülern noch einmal ein. Wichtig ist, dass sie dabei gelassen bleibt und positiv kommuniziert.
  • Sie bezieht ihre Schülerinnen und Schüler in die Auswertung mit ein, indem sie fragt:
    - Was hat aus eurer Sicht schon alles prima geklappt?
    - Was könnten wir noch besser machen?

CM 2 pixelio Stephanie Hofschlaeger

An dieser Stelle danke ich dem Gastautor Christoph Eichhorn, der uns diese interessanten Ausführungen zum Classroom Management zur Verfügung gestellt hat. Christoph Eichhorn arbeitet beim Schulpsychologischen Dienst Graubünden, wo er sich unter anderem seit vielen Jahren mit Lernen und Lern-Coaching - und eben: Classroom-Management - befasst. Weiterführende Informationen finden Sie auf www.classroom-management.ch und in seinen Publikationen:

  • Eichhorn C. (2013a): Classroom-Management - Beziehungen aufbauen.
    Im: Appstore Apple und Google Playstore.
  • Eichhorn C. (2012): Classroom-Management: Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten.
    Klett-Cotta. 7. Aufl.
  • Eichhorn C: (2013b): Chaos im Klassenzimmer: Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird.
    Klett-Cotta. 2. Aufl.
  • Eichhorn C.: Klassenregeln. Klett-Cotta. Geplant für 2014


Bilder:

- Pixelio.de: Dieter Schütz
- Pixelio.de: Stephanie Hofschlaeger