Classroom-Management - Rituale III

4.8 1 1 1 1 1 Ø Bewertung 4.80 (Gesamt Bewertungen: 5)


3. Teil des Gastbeitrages von Christoph Eichhorn.

Weiteres Vorgehen nach der Information der SuS über Rituale.

CM Unterricht 1 WikimediaCommons

Variante 1: Normales Üben
Frau Graf sagt: "Kommt, wir üben es gleich mal ein." Nehmen wir an, Frau Graf hat das Ritual schon zweimal geübt - es klappt aber immer noch nicht. Was jetzt? Sie könnte sagen: "Was seid ihr nur für eine Klasse - jetzt haben wir schon zwei Mal geübt und ihr könnt es immer noch nicht." Und was wäre der Effekt? Sie würde damit den Widerstand ihrer Schüler anheizen.

Deshalb sagt sie: "Es klappt schon viel besser, als beim ersten Mal. Die meisten von euch haben es schon geschafft. Prima. Strengt euch nochmals an, dann schafft ihr es." Mit ihrer Stimme drückt sie Zuversicht und Optimismus aus.

Sie besteht auf hundert-prozentiger Einhaltung: Angenommen, beim nächsten Üben haben die Schüler ihr Ziel schon weitgehend erreicht. Aber noch nicht ganz. Frau Graf könnte jetzt zu sich sagen: "Wir haben es schon dreimal geübt. Fast alle haben es ziemlich gut geschafft. Ich will es mit meinen Schülern nicht verderben. Also lasse ich es durchgehen. Vielleicht kann ich ja beim nächsten Mal noch etwas mehr verlangen." Diese Reaktion ist nachvollziehbar, aber ungünstig. Warum?

Weil Frau Grafs Schüler daraus lernen: "die nimmt es nicht so genau". Und was würde das für die nächste Forderung bedeuten, die Frau Graf an ihre Schüler stellt? Natürlich, dass die Schüler davon ausgehen, auch dieses Mal ihrer Anweisung nicht hundert prozentig nachkommen zu müssen. Das macht es für Frau Graf mit einem Schlag schwieriger, sich Geltung zu verschaffen.

Damit dieses Vorgehen erfolgreich verläuft, ...

 

  • ... muss Frau Graf während dem Üben damit rechnen, dass von Seiten der Schüler Widerstand gegen das Üben entsteht - dadurch darf sie sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.
  • ... darf sie sich nicht in lange Diskussionen verwickeln lassen und muss unbedingt auf Ermahnen und Kritisieren oder andere Formen negativer Kommunikation verzichten. Stattdessen muss sie sachlich und freundlich bleiben.
  • ... muss sie unbeding positiv kommunizieren - d.h. Schritte ihrer SuS in die richtige Richtung positiv hervorheben und ihre Schüler motivieren, sich beim Üben anzustrengen.

Der Hauptvorteil dieses Vorgehens ist, dass sich Frau Graf damit als Lehrperson positioniert, bei der das gilt, was sie sagt.

580943 web R by Dieter Schütz pixelio.de

Für Wahl, Weinert und Huber (1984) besteht ein wichtiger Grund für Unruhe im Klassenzimmer darin, dass sich der Lehrer mit halbem Erfolg zufrieden gibt und den Unterricht bereits wieder fortsetzt, sobald die Unruhe zwar zurückgegangen, aber noch nicht beendet ist. Sie schreiben: "Die Lehrer schaffen es zwar immer wieder, sich gegenüber besonders auffälligen Unruheherden durchzusetzen und auch extreme Geräuschpegel deutlich zu verringern. Aber sie achten nicht darauf, ob wirklich auch sämtliche Schüler der Klasse das erwünschte Verhalten zeigen. Vielmehr versuchen sie oft, mit etwas erhobener Stimme die verbleibende Unruhe zu übertönen." (S. 409)

Sie lobt die ganze Klasse: Sobald das Ritual zum ersten Mal klappt, lobt Frau Graf ihre Klasse: "Der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz hat heute prima geklappt. Ihr seid auf mein Zeichen hin aufgestanden, direkt zu eurem Platz gegangen - und fast alle Schüler haben sofort mit der Aufgabe angefangen - prima."

Das macht sie auch immer wieder einmal in den nächsten Tagen. Beachten Sie bitte, dass sie damit noch einmal der ganzen Klasse die einzelnen Schritte des Rituals erklärt. Aber im Rahmen von Lob und Anerkennung, also in einem positiven Rahmen. Damit macht sie es für die Schüler attraktiver, das nächste Mal das Ritual einzuhalten.

Variante 2: Klasse strukturieren
Frau Kunz unterteilt ihre Klasse in Gruppen. Beim Wehcseln vom Sitzkreis an den Platz , sagt sie: "Die Gruppen 3 und 4 gehen an ihren Platz."

Eine Gruppeneinteilung macht den Wechsel für die Lehrperson übersichtlicher und bietet für die Schüler weniger Störanlässe, als wenn alle auf einmal aufstehen und loslaufen. Sie nimmt die Gruppen nach dem Zufallsprinzip dran, so dass ihre Schüler nicht voraussehen können, wann ihre Gruppe an der Reihe ist.

Variante 3: Ein Schüler darf das Ritual vormachen
Nachdem Herr Klaiss seinen Schülern das Ritual erklärt hat, frage er: "Ich bin mal gespannt, wer von euch es schon kann und vormachen möchte." Einige Schüler melden sich. Herr Klaiss erlaubt einem Schüler, bei dem er sicher ist, dass er das Ritual ausführen kann, es vorzumachen. Dann lobr er ihn und fragt: "Wer möchte denn noch zeigen, dass er es kann?" Es melden sich einige Schüler - diese dürfen jetzt das Ritual gemeinsam vormachen. Danach sind alle Jungs dran, dann alle Mädchen.


Weitere wichtige Hinweise zum Vorgehen nach dem Einführen und Üben der Rituale lesen Sie im vierten und letzten Teil dieser Reihe in wenigen Tagen.



Diese interessanten Ausführungen zum Classroom-Management stellt uns Christoph Eichhorn zur Verfügung. Unser Gastautor arbeitet beim Schulpsychologischen Dienst Graubünden, wo er sich unter anderem seit vielen Jahren mit Lernen und Lern-Coaching - und eben: Classroom-Management - befasst. Weitere Infos auf www.classroom-management.ch.

Literatur

  • Eichhorn C. (2013a): Classroom-Management - Beziehungen aufbauen.
    Im: Appstore Apple und Google Playstore.
  • Eichhorn C. (2012): Classroom-Management: Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten.
    Klett-Cotta. 7. Aufl.
  • Eichhorn C: (2013b): Chaos im Klassenzimmer: Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird.
    Klett-Cotta. 2. Aufl.
  • Eichhorn C.: Klassenregeln. Klett-Cotta. Geplant für 2014


Bilder:
 
- Wikimedia Commons, Metropolitan School
- Pixelio.de, Dieter Schütz