Classroom-Management - Rituale II

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2. Teil des Gastbeitrages von Christoph Eichhorn.

Auf potentiell störungsanfällige Situationen sind Rituale die beste Antwort.

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So geht die Lehrerin Ricarda Graf vor:

1. Sie klärt ihre eigenen Erwartungen: Der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz soll wie folgt vor sich gehen:

  • Ich überprüfe, noch während alle Schüler im Sitzkreis sind, ob alle meinen Auftrag exakt verstanden haben.
  • Die Schüler verlassen den Sitzkreis erst, nachdem ich ihnen die explizite Erlaubnis dazu gegeben habe, und zwar mit einem speziellen Signalton.
  • Jeder begibt sich auf direktem Weg zu seinem Platz.
  • Jeder beginnt dort unverzüglich mit der zu bearbeitenden Aufgabe.

2. Sie bespricht mit ihren Schülern die angestrebte Veränderung: "Ihr

habt auch bemerkt, dass der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz nicht gut klappt. Wie möchten wir das in Zukunft anders gestalten?" Und im Anschluss: "Welche Vorteile hat es denn für euch, wenn das in Zukunft rund läuft?" Zum Beispiel, das sich alle wohler fühlen, besser lernen und Zeit einsparen, wenn sie gut lernen. Diese Vorteile notiert sie an der Tafel. Je älter die SuS sind, desto wichtiger ist es, sie frühzeitig einzubeziehen.

 

40794 web R K B by C. Nöhren pixelio.deVor allem bei "schwierigen" Klassen kann die Lehrperson das Ritual auch einfach vorgeben, indem sie sagt: "Ich möchte, dass der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz besser klappt. Ich habe mir dazu folgendes überlegt ..."

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sich ihre SuS daran halten. Wir müssen also mehr tun, um unsere Schüler dazu zu bringen, diesen Ablauf regelmässig einzuhalten. Aber was und wie?

3. Sie erklärt den Ablauf des Rituals: Frau Graf bespricht mit ihren Schülern, wie der Wechsel vom Sitzkreis an den Platz in Zukunft vonstatten gehen soll. An der Tafel hat sie notiert:

  • Ich verlasse den Sitzkreis erst dann, wenn die Lehrerin das Signal dazu gegeben hat.
  • Ich gehe auf direktem Weg zu meinem Platz.
  • Ich beginne dort unverzüglich mit meinem Auftrag.

4. Sie prüft, ob ihre Schüler alles genau verstanden haben: Dazu bittet sie am besten einen sprachlich nicht sehr gewandten Schüler, das Ritual noch einmal zu erklären. Dabei ist wichtig: Der Schüler soll es nicht Frau Graf erklären, sondern seinen Mitschülern.

Alternativ oder zusätzlich bittet sie auch einen Schüler mit besonders "herausforderndem" Verhalten, seinen Mitschülern das Ritual zu erklären. Die Vorteile sind:

  • Der Schüler instruiert sich dadurch selbst und identifiziert sich so stärker mit dem Ritual.
  • Es beeindruckt die Mitschüler, wenn gerade dieser Schüler von Ordnung spricht.

Doch auch das garantiert nicht, dass sich die SuS an die Vorgaben halten. Für das weitere Vorgehen bieten sich gleich mehrere Varianten an. Lesen Sie übermorgen im Blog, welche Varianten Frau Graf und ihre Kolleginnen und Kollegen dazu präsentieren.



Diese interessanten Ausführungen zum Classroom-Management stellt uns Christoph Eichhorn zur Verfügung. Unser Gastautor arbeitet beim Schulpsychologischen Dienst Graubünden, wo er sich unter anderem seit vielen Jahren mit Lernen und Lern-Coaching - und eben: Classroom-Management - befasst. Weitere Infos auf www.classroom-management.ch.

Literatur

  • Eichhorn C. (2013a): Classroom-Management - Beziehungen aufbauen.
    Im: Appstore Apple und Google Playstore.
  • Eichhorn C. (2012): Classroom-Management: Wie Lehrer, Eltern und Schüler guten Unterricht gestalten.
    Klett-Cotta. 7. Aufl.
  • Eichhorn C: (2013b): Chaos im Klassenzimmer: Classroom-Management: Damit guter Unterricht noch besser wird.
    Klett-Cotta. 2. Aufl.
  • Eichhorn C.: Klassenregeln. Klett-Cotta. Geplant für 2014


Bilder:

- Pixelio.de: Stephanie Hofschlaeger
- Pixelio.de: C. Nöhren