11 Tipps, damit Schüler richtig zuhören

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"Was muss ich tun?" Eine uns allen bekannte Frage, gleich nachdem wir einen Auftrag ausführlich erklärt und die notwendigen Anweisungen gegeben haben. Es ist wohl ein weit verbreitetes Phänomen, dass die Kinder in den Klassen gar nicht richtig zuhören, wenn die Lehrperson etwas erläutert. Die selbständige Arbeit beginnt dann bei vielen Schülern mit dem Gang zum Lehrerpult - oder zur schulischen Heilpädagogin, die auch gerade anwesend ist - um sich nachträglich individuell die benötigten Informationen geben zu lassen. Wir wiederholen ständig das Gesagte und möchten doch eigentlich, dass unsere Schülerinnen genau zuhören und wissen, was sie zu tun haben.

Hier einige Tipps, die den Kindern helfen, unseren Erläuterungen schon beim ersten Mal zu folgen:

1. Wir üben das Zuhören und das Verstehen und Ausführen von Anweisungen

  • mit dem amerikanischen Kinderspiel Simon says (ähnlich Kommando Pimperle)
  • Hörübungen ab CD oder mit selber gemachten Geräuschen (hinter einer Wand, Kinder schliessen die Augen)
  • Rhythmus klatschen und nachahmen (siehe auch Spielkarten dazu)
  • einen versteckten Gegenstand nach Anweisung finden: "Geh drei Schritte vorwärts, dann nach links zum Fenster, hebe den Deckel der Schachtel hoch und schau hinein" (auch Schüler Anweisungen geben lassen)
  • Mit den neuen Karten Anweisungen merken: zuhören - merken - ausführen

Anweisungen merken1  Anweisungen merken2  Anweisungen merken3

2. Wir sprechen erst, wenn wir die volle Aufmerksamkeit der Kinder haben

  • mündliche Aufforderung: "Ich möchte, dass ihr genau zuhört!"
  • ein vorher vereinbartes akustisches oder visuelles Signal, z.B. zweimal klatschen, Licht ein- und ausschalten, Arme hoch heben, Triangel, Flöte oder Mundharmonika

3. Wir sagen klar und abschliessend, was wir erwarten
Oft erklären wir eine Aufgabe und die ersten Schüler sind gleich dabei, ihre Hefte und ihr Material hervorzuholen und miteinander zu flüstern, obwohl wir noch nicht zu Ende gesprochen haben. Wir gehen davon aus, dass die Klasse den Auftrag verstanden hat und vergessen die restlichen Kinder, die die ganzen Erklärungen bis zum Ende gebraucht hätten.

  • darauf achten, dass wir die Aufträge deutlich, sorgfältig und vollständig erteilen
  • nur das sagen, was zum Auftrag gehört, keine unnötigen Nebensätze oder Kommentare

4. Wir limitieren die Zahl der Teilanweisungen

  • mit ein- bis zweiteiligen Aufträgen beginnen
  • mehrteilige Anweisungen in einzelne Schritte aufteilen

5. Wir verändern die Art, wie wir Anweisungen erteilen

  • mündliche Aufträge
  • visuelle Untermalung, evtl. Reihenfolge an Wandtafel schreiben oder zeichnen
  • eine bestimmte Musik im Hintergrund, die bedeutet: "Jetzt müsst ihr gut zuhören!"

6. Wir verwenden ein Zauberwort

  • ein einfaches Wort wie Plemplem oder ein Wort aus dem aktuellen Thema bestimmen
  • mit den Kindern vereinbaren, dass sie keinen Finger rühren, bis sie das Wort aus unserem Mund hören
  • "Sobald ihr das Zauberwort hört, nehmt ihr euer Heft, den Bleistift und den Gummi und beginnt mit der Arbeit - Pause - Plemplem!"
  • das Zauberwort kann wöchentlich geändert und auch von den Kindern (im Turnus) vorgeschlagen werden

7. Wir lassen die Kinder die Anweisungen wiederholen

  • "Erzähle deinem Banknachbarn in 30 Sekunden, was er tun soll!" (nach Ablauf der Zeit beginnen alle mit ihrer Arbeit)
  • Fragen stellen, die die Kinder gemeinsam im Chor beantworten: "Nehmt euer Mathebuch und öffnet es auf Seite 36. Welche Seite? [36] - gut, ihr könnt beginnen!" (funktioniert nur mit "Ein-Wort-Antworten")
  • nach der Formulierung der Anweisungen folgt ein Moment der Stille, in dem die Kinder darüber nachdenken und sich bildlich vorstellen, wie sie die Aufgabe angehen wollen

8. Wir verwenden einen Kochwecker, eine Eieruhr

  • "Ihr habt genau 2 Minuten, um alles sauber aufzuräumen und still am Platz den nächsten Auftrag entgegenzunehmen."

9. Wir geben den Schülern einen Fixpunkt

  • "Öffnet das Buch auf Seite 349 und sucht das Wort Lettern. Haltet euren Zeigefinger auf das Wort und seid vorbereitet darauf, zu erklären, was das Wort in diesem Kontext bedeutet. Seite 349. Ich erkenne, dass ihr bereit seid, wenn ich euren Finger auf dem Wort Lettern sehe."

10. Wir lassen ein Stichwort zum Auftrag / Stichworte zu den Aufträgen notieren

  • Jedes Kind hat eine Anzahl Notizkarten vor sich und schreibt darauf ein Stichwort, das den Auftrag beschreibt oder zusammenfasst. Die Karte wird hochgehalten und wir kontrollieren, ob alles verstanden wurde.

11. Wir sprechen selber so wenig wie möglich
Die Person, die am meisten spricht, ist die Person, die am meisten lernt. Also ist es sinnvoll, wenn diese Rolle von einer Schülerin übernommen wird.

  • dem Drang widerstehen, jede Information zusätzlich zu kommentieren
  • versuchen, nur zu sprechen, wenn wir etwas Wichtiges zu sagen haben

12. Wir teilen unsere eigenen Strategien, indem wir unsere persönlichen Tipps hier unten im Kommentar für alle notieren.

Zum Thema hat Der Lehrerfreund einen interessanten Beitrag geschrieben, den ich Ihnen ebenfalls empfehle (schauen Sie auch das kurze Video dazu an).